COVID-19 UND DIE DEUTSCH-FRANZÖSISCHE FREUNDSCHAFT

Jedes Jahr wird am 22.Januar der deutsch-französische Tag begangen. In diesem Jahr werden die Gedanken vieler Mitglieder der Gesellschaft für europäische Beziehungen (GEB) in Bedburg-Hau besonders an die befreundeten Familien in La Ferté-Gaucher (LFG) gehen, wo sich in der Region Brie, östlich von Paris, die Partnergemeinde befindet. Im vorigen Jahr konnte der deutsch-französische Tag in Zusammenarbeit mit der VHS Kleve noch gefeiert werden mit zahlreichen Teilnehmern, einem sehr anregenden Vortrag über Paris und einigen französischen Spezialitäten. In diesem Jahr ist eine ähnliche Veranstaltung durch die rasche Ausbreitung des Coronavirus nicht mehr möglich.

Wie entwickelte sich die Situation in La Ferté-‘Gaucher?

Im Frühjahr des letzten Jahres wurde in LFG im Zuge der Kommunalwahlen ein neuer Bürgermeister, Michel Jozon, gewählt. Später wurde auch in Bedburg-Hau Stefan Reinders neuer Bürgermeister der Gemeinde. Im Mai 2020 sollte der mehrtägige Besuch der französischen Freunde aus LFG in Bedburg-Hau stattfinden. Dazu hatte die GEB ein vielseitiges Programm ausgearbeitet. Aber bereits zu dieser Zeit hatte Covid-19 einen dicken Strich durch dieses Vorhaben gemacht. Im Laufe der letzten Monate erfuhren Mitglieder der GEB, dass sich auch der ehemalige Bürgermeister, selber Mediziner, und andere Personen aus LFG mit dem Coronavirus infiziert hatten. Wie in ganz Frankreich nahm die Furcht vor einer Ansteckung überall zu. Erhebliche Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, deutlich strenger als in Deutschland, waren auch in LFG die Folge: Ausgangssperren, das ständige Ausfüllen von Kontrollzetteln für notwendige Besorgungen u.v.m.
So waren persönliche Kontakte zwischen Deutschen und Franzosen nur per Brief, Telefon oder e-mails möglich.

In den Tagen vor Weihnachten entstand die Idee, den französischen Freunden ein Paket zu schicken. Typisch deutsches Weihnachtsgebäck (Dominosteine, Spekulatius, Printen), dazu ein Kalender der Sparkasse Kleve mit Fotos vom Niederrhein u.a. wurden für jedes Mitglied der Partnerorganisation gepackt. Alles kam rechtzeitig in LFG an und sorgte für große Überraschung und Freude. Als Dankeschön erhielt die GEB im Januar 2021 einen französischen Kalender. Dieser enthält ausgezeichnete regionale Rezepte, so dass die deutschen Freunde typisch französische Gerichte herstellen können. Auf diese Weise wird das ganze Jahr über ein gedankliches Band zu den französischen Partnern in der Brie geknüpft, und es zeigt sich, dass die deutsch-französische Freundschaft hier am Niederrhein lebt.

Es bleibt zu hoffen, dass doch noch in diesem Jahr eine persönliche Begegnung mit der französischen Partnergemeinde in Bedburg-Hau stattfinden kann, denn Telefonate oder digitale Verbindungen können persönliche Kontakte nicht ersetzen.

Kleve, 12.01.2021
Barbara Samel, Pressesprecherin GEB

Tage wie noch nie in der französischen Brie

Am verlängerten Wochenende über Christi Himmelfahrt erwiderte die Gesellschaft für europäische Beziehungen (GEB) aus Bedburg-Hau den Besuch ihrer französischen Partnergemeinde La Ferté-Gaucher in der Brie.

Auf dem Weg besuchten die 45 Reisenden die Ausstellung „Krieg und Frieden in den Ardennen“ in Novions-Porien. Dieses im Jahr 2018 eröffnete Museum (Musée Guerrre et Paix en Ardennes) dokumentiert in eindrucksvoller Weise die historischen Verwicklungen von Deutschen und Franzosen in drei Kriegen: im deutsch-französischen Krieg 1870/71 und in den zwei Weltkriegen von 1914-1918 und 1939-1945.

Am Ankunftstag in La Ferté-Gaucher gab es abends einen sehr herzlichen Empfang im Rathaus. Die französischen Freunde hatten für die deutsche Gruppe ein äußerst vielseitiges Programm zusammengestellt und das gute Wetter dazu gleich mitbestellt. Der Tagesausflug nach Paris begann mit einer mitreißenden Führung im Museum der Schaustellerei aus dem 19. und 20.Jahrhundert (Musée des Arts forains) .Kindheitserinnerungen wurden wach beim Fahren in nostalgischen Karrussels, auf Pferden, „alten“ Fahrrädern oder in Gondeln, sowie bei der Betrachtung der typischen Figuren der Commedia del Arte, begleitet jeweils mit der entsprechenden Musik von Drehorgeln oder Melodien aus Oper und Operette. Im Anschluß daran nutzten viele die Gelegenheit zu einem individuellen Spaziergang, um bekannte Pariser Sehenswürdigkeiten zu besuchen, wie den Eiffelturm, das Centre Pompidou oder die durch einen Brand geschädigte Kathedrale Notre Dame vom Seineufer aus zu betrachten..

An einem anderen Tag traf sich die deutsch-französische Gruppe bei sommerlichen Temperaturen in einem biologischen Bauerncafé. Dort wurde unter schattigen Bäumen des großen gepflegten Gartens ein sehr schmackhaftes Picknick eingenommen. Hinzu kamen in einer Korbweidewerkstatt interessante Informationen über Anbau und die vielfältige Verarbeitung von Weiden zu Hecken, Körben u.a. Auch die Besichtigung einer ehemaligen Druckerei fand aufmerksame Besucher.

Das Départementmuseum „Musée de la Seine-et-Marne“ gab weitere interessante Einblicke in die frühere Lebens- und Arbeitsweise der Menschen in der Brie. Gezeigt wurde vor allem traditionelle Handwerkskunst: Eine über 100-jährige Webmaschine stellte modische Bänder und Etiketten für bekannte Modehäuser und außereuropäische Länder her. Große Mühlsteine, aus regionalen Kalk-und -sandsteinschichten abgebaut, wurden in Getreidemühlen eingesetzt, um den vor allem in der Brie angebauten Weizen zu mahlen und die Bäckereien mit dem Mehl zu beliefern, aus dem u.a. die beliebten Baguettes gebacken werden konnten.

Besonders feierlich war das abendliche Festbankett zu Ehren der deutschen Reisegruppe. Dabei brachte der Bürgermeister von La Ferté-Gaucher, Dr.Yves Jaunaux, seine Freude über die langjährige Freundschaft zwischen den beiden Gemeinden zum Ausdruck und sagte weiterhin seine Unterstützung der regelmäßigen Begegnungen zu.
Als kleines Gastgeschenk hatte eine Mitreisende für jeden Franzosen bunte Tonvögel gebastelt, die mit dem bekannten Volkslied „Alle Vögel sind schon da“ übergeben wurden.
Eine kleine Gruppe der „Klever Stadtmusikanten“ trug vor allem mit ihren musikalischen Beiträgen zur fröhlichen Stimmung bei, weil sie bekannte französische und deutsche Lieder aufspielten, zu denen kräftig gesungen wurde. Auch in der gemeinsamen sonntäglichen Messe bereiteten die klassischen Musikstücke allen viel Freude und verstärkten auch auf diese Weise die deutsch-französische Verbundenheit der beiden Partnergemeinden.

Am Sonntagnachmittag, nach einem hervorragenden Buffet, trat schließlich die deutsche Gruppe die Heimreise an. Hier wurden wir am späten Abend mit Blitz, Donner und kräftigem Regen empfangen, wobei allen deutlich wurde, dass dieser Aufenthalt bei den französischen Freunden in La Ferté-Gaucher wie im Traum vergangen war.